Erschienen im Stader Tageblatt am 27.08.2021
Von Daniel Beneke

FREDENBECK. Der Ausbau der Grundschule Fredenbeck als Ganztagsschule ist beschlossen. Für die Grundschule Mulsum/Kutenholz steht eine Entscheidung noch aus. Die Unsicherheit bei vielen Eltern ist groß. Etwas mehr Klarheit brachte eine Veranstaltung der CDU.

Landesweit werde der Ausbau der Ganztagsbildung forciert, sagte Landratskandidat Kai Seefried, langjähriger schulpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Kreisweit seien bereits fast alle weiterführenden Schulen im Ganztagsbetrieb angekommen. Der Bedarf bei den Eltern nach verlässlichen Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie steige. Während in den Kindertagesstätten eine Betreuung bis in den Nachmittag hinein längst die Regel sei, könnten sich Eltern darauf bei den Grundschulen bisher nicht verlassen.

Das Land investiere 340 Millionen Euro im Jahr in Ganztagsschulen. Während das Land die Lehrkräfte und Sozialarbeiter stellen müsse, sei der Schulträger – in diesem Fall die Samtgemeinde Fredenbeck – für die räumliche Ausstattung zuständig. Die Bundesregierung habe einen Rechtsanspruch für Ganztagsgrundschulen ab 2026 auf den Weg gebracht, der Bundesrat habe dem Gesetzentwurf aber nicht zugestimmt. Dennoch war Seefried sicher, dass der Trend in Richtung Ganztagsschule anhalte: „Wir müssen heute die Weichen dafür stellen.“ Er riet dazu, Vereine und Initiativen in die Nachmittagsangebote einzubinden, um keine Konkurrenz zu schaffen.
Anbau wäre ohnehin nötig gewesen

Samtgemeinderatsmitglied und Samtgemeindebürgermeisterkandidat Matthias Hartlef (parteilos) erinnerte an die 2016 vom damaligen Fredenbecker Grundschulrektor Uwe Alack angeschobene Diskussion mit Eltern, Lehrern und Politik. Eine Arbeitsgruppe habe andere Ganztagsschulen besucht, ein Planer sei eingebunden worden. 2018 habe der Rat den Beschluss gefasst, die Grundschule zur teilgebundenen Ganztagsschule auszubauen. Ein Anbau wäre aufgrund steigender Schülerzahlen ohnehin notwendig gewesen. 2019 beschloss der Rat den Anbau, Investitionen von 3,3 Millionen Euro seien dafür bis 2023 eingeplant. Wie hoch etwaige Förderungen von Bund oder Land sind, sei noch nicht absehbar. Das pädagogische Konzept sei ebenfalls noch in Arbeit.

2023 soll der Ganztagsschulbetrieb starten – verpflichtend an mindestens zwei Tagen. Diese Verlässlichkeit für die Eltern sei wichtig, damit sie ihre Berufstätigkeit planen können, sagte Samtgemeinderatsmitglied Jörg Müller. Den Kindern könne ein spannendes Nachmittagsangebot beschert werden – etwa mit Programm aus den Bereichen Sport, Sprachen, Musik, Kunst und Handwerk. Der Kreativität seien keine Grenzen gesetzt – sofern sich Kooperationspartner fänden.

Der stellvertretende Samtgemeindebürgermeister Frank Havemann (CDU) sagte, der Ganztagsschulbetrieb ermögliche es, die Interessen und Neigungen der Kinder durch mehr Zeit stärker herauszustellen. Der Unterricht werde entzerrt, die Mädchen und Jungen könnten individuell gefördert werden. Es gebe mehr Ruhe- und Erholungsphasen. Soziale Kompetenzen würden gestärkt, das Verhältnis zu den Lehrkräften verbessert.
Mittagsversorgung muss noch geklärt werden

Noch geklärt werden müsse die Mittagsversorgung, mahnte Kindertagesstätten-Elternvertreter Sascha Danielzik an. Klar sei, dass die Eltern die Kosten tragen müssten – wie in den Kindertagesstätten auch. Der Elternvertreter kritisierte, dass die Eltern seitens der Verwaltung in den vergangenen Jahren nicht nach ihren Wünschen und Bedarfen gefragt worden seien. Er unterstützte den auch von anderen Eltern in der Veranstaltung geäußerten Vorschlag, einen Fragebogen an die Betroffenen zu versenden.

Ein Informationsdefizit machte auch Kindertagesstätten-Elternvertreterin Kim Koch aus. Viele Eltern fühlten sich nicht mitgenommen, seien überrascht von den Beschlüssen der Politik. Die Verwaltung habe die Entwicklung zu wenig kommuniziert. Es gebe „große Bedenken“ bei den Eltern. Buskinder seien im Ganztagsschulbetrieb nicht vor 17 Uhr zu Hause. „Das ist schon ein sehr langer Tag für so junge Kinder“, sagte Koch. Sie sprach sich dafür aus, dass die Eltern frei entscheiden können, ob ihr Kind am Ganztagsunterricht teilnehmen soll oder nicht. „Diese Frage ist emotional stark belastet.“

Die Pädagogen seien einhellig für den Ganztagsbetrieb, entgegnete Matthias Hartlef: „Wir verlassen uns auf die Experten.“ Grundschul-Elternvertreter Tjorben Wigger sagte, er sei überzeugt von den Plänen für die teilgebundene Ganztagsschule.

Die vom CDU-Ratsherrn Marcel von der Lieth moderierte Veranstaltung ist online abrufbar: www.cdu-fredenbeck.de